Wie sieht ein Reha-Stufenplan beim Pferd aus?
Bei Sehnenverletzungen gilt in der Fachliteratur ein schrittweise steigendes, kontrolliertes Bewegungsprogramm, begleitet von regelmäßigen Ultraschallkontrollen, als Standard. In einer internationalen Umfrage unter Fachleuten war kontrolliertes Führen an der Hand die mit Abstand häufigste Reha-Maßnahme. Die Tabelle zeigt dieses Prinzip als allgemeines Schema — ohne Wochenangaben, weil die Dauer jeder Stufe vom Befund abhängt.
| Stufe | Ziel | Typische Inhalte | Weiter, wenn … |
|---|---|---|---|
| 1. Ruhe und Diagnose | Heilung ermöglichen | Boxenruhe oder eingeschränkte Bewegung nach tierärztlicher Vorgabe | die Tierärztin oder der Tierarzt Bewegung freigibt |
| 2. Kontrolliertes Führen | Belastung dosiert beginnen | Schritt an der Hand auf ebenem, festem Boden, Dauer nach Vorgabe | die Kontrolle (bei Sehnen meist Ultraschall) unauffällig ist |
| 3. Schritt steigern | Grundlage aufbauen | Längere Schrittphasen, ggf. unter dem Sattel; Physiotherapie gegen Schonhaltungen | die nächste Kontrolle grünes Licht gibt |
| 4. Trab dazu | Belastung erhöhen | Kurze Trababschnitte, langsam verlängert | keine Schwellung, Wärme oder Lahmheit auftritt |
| 5. Zurück in die Arbeit | Leistung aufbauen | Galopp, Stangen, Gelände; gezielter Muskelaufbau | die abschließende Freigabe vorliegt |
Schema nach Dowling u. a. 2000 und Wilson u. a. 2018; den konkreten Plan gibt immer die Tierärztin bzw. der Tierarzt vor.
Warum so vorsichtig? In einer großen Vergleichsstudie mit 219 Pferden zu Schäden an der oberflächlichen Beugesehne verletzten sich trotz kontrolliertem Bewegungsprogramm in den meisten Gruppen gut 40 Prozent der Pferde erneut. Eine Stufe zu überspringen, weil es gerade gut aussieht, ist der häufigste Fehler.

